Wir Glauben

1. Gott liebt diese Welt. Er hat sie erschaffen. Er bewahrt und erneuert sie jeden Tag. Wir glauben, dass Gott die Welt ins Dasein gerufen und geordnet hat. Sie ist nicht durch Zufall entstanden. Gott hat sie gewollt und trägt sie. Der Glaube an den Schöpfer steht nicht im Gegensatz zur naturwissenschaftlichen Erforschung der Entstehung der Erde. Die Naturwissenschaft erkundet den Kosmos und die Entwicklung der Natur. Wir staunen über den Reichtum und die Fülle der Weisheit Gottes, die all dies ermöglicht. In Konkurrenz zur Naturwissenschaft tritt der christliche Glaube dann, wenn diese selbst zur Weltanschauung wird. Gott, der Schöpfer, hat uns Menschen damit beauftragt, die Erde zu bebauen und zu bewahren. Dies bedeutet auch, die Natur zu schützen und mit den Ressourcen dieser Erde verantwortlich umzugehen.

2. Gott hat uns Menschen zu seinem Ebenbild geschaffen und uns damit unverlierbare Würde gegeben. „Ebenbild Gottes“ sein bedeutet: Wir sind auf Beziehung und Gemeinschaft mit Gott angelegt. Dazu hat uns Gott Vernunft und Sprache gegeben. Sie ermöglichen uns den Gedankenaustausch und eine aktive Lebensgestaltung. So hat uns Gott zu seinen Gesprächspartnern gemacht. Wir können Gottes Wort hören und ihm antworten im Gebet und mit unserem Leben. Zu unserer Würde als Menschen gehört auch, dass wir auf Beziehung und Gemeinschaft untereinander angelegt sind. Gott hat den Menschen als Mann und Frau geschaffen und zur gegenseitigen Ergänzung und Bereicherung. In der kirchlichen Trauung wird Gottes Ja zur Liebe zwischen Mann und Frau dem Brautpaar zugesprochen und die Ehe gesegnet. Gott führt seine Geschichte und bleibt von Generation zu Generation treu. Er beteiligt die Eltern an seinem Schöpfungshandeln und gibt ihnen Verantwortung für die Zukunft. Kinder sind ein Geschenk. Beziehung und Gemeinschaft erleben wir auch in vielen anderen Lebensbereichen – in Beruf, Freundeskreis oder Gemeinde. Gott will, dass wir stets die Würde unsere Mitmenschen achten. Sie sind Gottes Ebenbild. Wer die Würde eines Menschen antastet, verletzt Gott selbst. Am Ende der Schöpfungsgeschichte sagt Gott: „Und siehe, es war sehr gut“ (1.Mose 1,31). Aber wir erleben, dass unsere Erde keine heile Welt ist, sondern auch voller Schicksalsschläge, Ängste und Sorgen, Gewalt und Krieg. Auf die Frage nach dem Sinn des Leidens gibt es keine einfachen Antworten. Menschen fragen: Warum gerade ich? Wie kann Gott Katastrophen zulassen? Wir klagen, wenn wir leiden, und wir bringen diese Klage vor Gott. Ebenso klagen wir: Wie viel Leid fügen Menschen anderen Menschen zu! In der Beziehung zu Gott erkennen wir, wie sehr wir ihn verlassen haben. Wie oft setzen wir uns über seine Gebote hinweg, wollen sein wie Gott und werden dabei schuldig. Am Ende steht die Erkenntnis einer tiefen Entfremdung von Gott. Die Bibel nennt diese Entfremdung Sünde. Woher das Böse kommt, können auch Glaubende letztlich nicht erklären. Um so größer ist die Sehnsucht nach Befreiung und Erlösung. Doch das Leid der Menschen hat Gott nicht unberührt gelassen.

3. Jesus Christus ist der Sohn Gottes, unser Erlöser. In ihm erkennen wir, wie Gott ist. In seinem Leben, Sterben und Auferstehen bringt er uns Liebe und Hoffnung. In Jesus Christus wird Gott selbst Mensch. An Weihnachten feiern wir seine Geburt. In ihm kommt Gott uns Menschen nahe. So erfüllt Gott, was er durch Propheten im Alten Testament versprochen hat. Gott hat Israel zu seinem Volk erwählt und angekündigt, dass durch dieses Volk alle Völker gesegnet werden. In Jesus Christus wird dies erfüllt. Er kam in Bethlehem als Jude zur Welt. Jesus hat die Liebe Gottes zu uns Menschen gelebt. Er segnete die Kinder. Er aß mit Armen, Ausgestoßenen und Verachteten und schloss sie nicht aus der Gemeinschaft aus. Er machte Hungernde satt, Kranke gesund, Besessene frei. Er vergab Schuld. Tote rief er ins Leben. Er predigte Gottes Liebe und verkündigte seinen Willen. Er lud Menschen ein, ihm zu vertrauen und zu folgen. Damit hat er Staunen ausgelöst, aber auch Anstoß erregt. Viele Menschen entsetzten sich und verklagten ihn. Unter dem römischen Statthalter Pontius Pilatus wurde Jesu in Jerusalem als „König der Juden“ zum Tod verurteilt, gefoltert, gekreuzigt und getötet. Daran denken wir an Karfreitag. Jesus starb als Unschuldiger; denn er war Gott und Menschen treu und hat sein Leben für uns hingegeben. So starb er für uns, hat unsere Schuld auf sich genommen und versöhnt uns mit Gott. Darum hat Gott ihn auferweckt. Er hat ihn am dritten Tag nach der Kreuzigung aus dem Tod in ein neues Leben gerufen. Der Auferstandene ist vielen Frauen und Männern erschienen. Das feiern wir an Ostern. In der Auferweckung Jesu von den Toten wird deutlich, dass Gottes Liebe stärker ist als alle Todesmächte der Welt. Nichts kann uns von dieser Liebe trennen. Jesus lebt in Gottes Herrlichkeit und ist uns doch ganz nahe. Er ist uns vorangegangen zum ewigen Leben. Am Ende der irdischen Zeiten wird er wiederkommen, Gerechtigkeit schaffen, Unrecht aufdecken und sein Werk vollenden.

4. Durch den Heiligen Geist erfahren wir Gottes Gegenwart. Er bewirkt, dass wir auf Jesus Christus vertrauen und mit ihm leben. Jesus lebte, starb und auferstand vor 2000 Jahren. Dass er unser heutiges Leben bestimmt, bewirkt der Heilige Geist. Er bewegt, erfüllt und erneuert uns. Er verbindet uns mit anderen Christen zur Gemeinde. In ihm ist Gott gegenwärtig. Das feiern wir an Pfingsten. Der Heilige Geist verbindet uns mit Christus und befähigt und uns zum Glauben. Er lehrt uns beten, auf Gottes Wort hören und das Gerechte tun. Er macht uns gewiss, dass wir Gottes Kinder sind und zu ihm gehören im Leben und im Sterben. Gottes Geist befreit uns von falscher Furcht und von Egoismus. Er hilft anderen zu vergeben. Er verleiht den Menschen viele unterschiedliche Gaben, mit denen sie in der Gemeinde zusammenwirken. Diese Gaben erschöpfen sich nicht in spektakulären Zeichen und Wundern. Sie helfen, dass Menschen gut leben und Gemeinde bauen können. Der Heilige Geist ist nicht verfügbar. Er bleibt Gottes Geschenk. Darum bitten wir immer wieder neu: Komm, Heiliger Geist, und erfülle uns.

5. In der Kirche sind alle, die an Jesus Christus glauben, miteinander verbunden – weltweit und zu allen Zeiten. Wie ein Leib aus vielen Gliedern besteht, gehören zur Kirche viele sehr unterschiedliche Menschen aus verschiedenen Kulturen, Völkern, Generationen und Traditionen. Kirche ist der Leib Christi, der Organismus, in dem Christus lebt. Um Gemeinschaft mit ihm und untereinander zu erleben, versammeln wir uns zum Gottesdienst. Hier redet Gott mit uns. Durch das Hören auf die frohe Botschaft wird aus verschiedenen Menschen eine christliche Gemeinde. Wir antworten auf das Evangelium mit unserem Singen, Bekennen, Beten und mit unserem ganzen Leben. Das Evangelium den Menschen in Wort und Tat nahe zu bringen, ist Gottes Auftrag an die Kirche. Deshalb feiern wir Gottesdienst und gestalten als Gemeinde unser Leben in verschiedenen Gruppen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, in der Erwachsenen- und Familienbildung, in der Begleitung sterbender und trauernder Menschen, in Seelsorge, Diakonie und gesellschaftlicher Verantwortung. Hier wird die Gemeinschaft konkret erfahrbar im menschlichen Miteinander, in der Fürbitte für andere, in der Begleitung durch das Leben – auch in Krisenzeiten. „Evangelische Kirche“ nennen wir uns seit der Reformationszeit. Martin Luther und die anderen Reformatoren wollten die Kirche ihrer Zeit evangeliumsgemäß erneuern. Unsere evangelische Landeskirche lebt in ökumenischer Verbundenheit mit der weltweiten Christenheit und den christlichen Kirchen in unserem Land. Sie gehört in die große Gemeinschaft der lutherischen Kirchen in allen Erdteilen. Wir freuen uns an der Vielfalt und glauben an die Einheit der Kirche in Christus. Deshalb suchen wir das Miteinander der Gemeinden vor Ort und pflegen Verbindungen zu Kirchen in aller Welt.

6. Die Bibel erzählt Gottes Geschichte mit der Welt und mit uns Menschen. In ihr hören wir Gottes Wort. In der Bibel vernehmen wir die gute Nachricht von Jesus Christus, das Evangelium. Sie erzählt Gottes Geschichte mit der Welt und seinen Menschen: vom Anfang, von Gottes besonderem Weg mit dem Volk Israel, von Jesus Christus, von den Anfängen der christlichen Kirche und der Hoffnung auf die Vollendung. Die Bibel zeigt uns, wie Gott uns heute hilft zum Leben, zum Glauben und zum Hoffen. Deshalb ist die Bibel Grundlage unseres Glaubens. Sie ist für uns die „Heilige Schrift“ in ihren beiden Teilen, im Alten und im Neuen Testament. Im Hören auf ihre Botschaft begegnet uns das lebendige Wort Gottes. Darauf hören wir in jedem Gottesdienst und immer, wenn wir die Bibel lesen.

7. Die beiden Sakramente Taufe und Abendmahl sind sichtbare und spürbare Zeichen der Liebe Gottes. Durch die Taufe und den Glauben wird ein Mensch Christ. In der Taufe „auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ spricht Gott sein Ja zum Täufling und nimmt ihn hinein in die Geschichte von Tod und Auferstehung Jesu: Was Jesus für uns tat, gilt dem Getauften persönlich. Wer getauft wird – ob als Kind oder Erwachsener – wird in die Kirche aufgenommen. Das Entscheidende an der Taufe ist Gottes Ja zum Täufling. Deshalb taufen wir auch kleine Kinder. Da Gottes Ja das menschliche Ja im Glauben wecken will, gehören Taufe und Glaube zusammen. Deshalb haben getaufte Kinder ein Recht, vom christlichen Glauben zu erfahren. Das ist die Aufgabe von Eltern und Paten. Auch die Gemeinde übernimmt Verantwortung für die Getauften. Deshalb bietet sie christliche Kinder- und Jugendarbeit, Kindergärten und Religions- und Konfirmandenunterricht an. Bei der Konfirmation bekennen sich die Jugendlichen zu Gott, bekommen den Segen Gottes persönlich zugesprochen und erhalten ein Bibelwort als Denkspruch für ihr Leben. Beim Abendmahl ist Christus selbst der Gastgeber, der die ganze Gemeinde zur Gemeinschaft mit sich an seinen Tisch einlädt. Brot und Wein sind Leib und Blut Jesu. Bei der Abendmahlsfeier werden Jesu Tod und Auferstehung in uns wirksam. Christus schenkt sich uns. Er macht damit unser ganzes Leben neu und schenkt uns Hoffnung auf die neue Welt. So empfangen wir in dieser Feier Vergebung der Sünden, Frieden mit Gott und Gemeinschaft untereinander. Deshalb laden wir alle Getauften zum Abendmahl ein.

8. Glauben heißt: auf Jesus Christus vertrauen und in Verbindung mit ihm leben. Wenn wir Gottes bedingungslose Liebe erkennen, bleibt dies in unserem Leben nicht folgenlos. Wir lassen uns diese Liebe zusagen und nehmen sie als prägende Kraft für unser Leben an. Dies geschieht, wenn wir auf Jesus Christus vertrauen. Wir verlassen uns auf sein Versprechen, dass er jeden Tag bei uns ist. In der Verbindung mit ihm hat unser Leben Halt und Sinn. Darum müssen wir unser Leben nicht aus eigener Kraft erlösen und wertvoll machen, sondern wir erfahren immer wieder neu, dass Jesus ein befreites Leben in Glaube, Liebe und Hoffnung schenkt. Zum Leben im Glauben gehört das Hören auf Gottes Wort und unsere Antwort im Gebet. Gott hört uns, wenn wir beten. In den Psalmen kann unser Loben und Klagen, unser Vertrauen und Zweifeln Worte finden. Jesus hat im Vaterunser ein Gebet gelehrt, mit dem wir uns Gott anvertrauen können. Dazu gehört auch, dass wir Gott danken für das, was er uns zum Leben gibt. Darum hat das Tischgebet vor dem Essen seinen guten Sinn. Wir können Gott um Hilfe und neue Kraft bitten. Dabei können uns Lieder und Gebete im Evangelischen Gesangbuch helfen.

9. Gott hat uns Verantwortung für die Schöpfung und das Zusammenleben der Menschen übertragen. Dazu hat er uns seinen Willen gezeigt und seine Gebote gegeben. Jesus Christus befreit uns dazu, unser Leben nach seinem Willen zu gestalten. Gott hat uns beauftragt, die Erde zu nutzen und zu erhalten. Dieser Auftrag verlangt von uns Ehrfurcht vor dem Leben, umweltgerechtes Verhalten und nachhaltiges Wirtschaften. In den zehn Geboten und in der Bergpredigt Jesu gibt Gott uns Maßstäbe für das Zusammenleben der Menschen und die Gestaltung der Gesellschaft. Sie sollen das Recht der Schwachen schützen, vor der Zerstörung des eigenen Lebens bewahren und zu einem gerechten Frieden helfen. Jesus hat den Willen Gottes zusammengefasst in dem Gebot der Liebe zu Gott und zu unseren Mitmenschen, zu denen ausdrücklich auch unsere Feinde gehören.

10. Jesus Christus wird für alle sichtbar wiederkommen. Dann wird Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen. In dieser Hoffnung können wir erfüllt leben und getrost sterben. Wir leben in einer Welt, die sowohl von Schönem und Großartigem als auch von Leid und Schuld, Gewalt und Tod gezeichnet ist. Wir glauben, dass diese Welt nicht so bleibt, wie sie ist. Gott wird die ganze Schöpfung von allem Leiden befreien. Mit der Auferstehung Jesu hat Gott das Versprechen gegeben, dass der Tod nicht das letzte Wort über uns Menschen hat. Ostern steht für das neue Leben jenseits des Todes. Jesus wird am Ende der irdischen Zeiten wiederkommen. Dann wird Gott die Toten zum ewigen Leben auferwecken. Dann wird Gott Recht und Unrecht unterscheiden, alle Menschen zur Verantwortung ziehen und seinen Friedensplan vollenden. Deshalb befehlen wir die Verstorbenen bei der Bestattung in Gottes Hand. Dabei bitten wir, dass er ihnen gnädig sei, damit sie für immer aufgehoben sind in Gottes Liebe. Diese Perspektive gilt nicht nur für den einzelnen Menschen, sondern für die ganze Welt. Die letzten Kapitel der Bibel schildern den neuen Himmel und die neue Erde. Da werden wir verwandelt und erneuert werden. Dann ist Gott bei uns, und wir sind bei ihm. Dann werden wir ihn sehen, wie er ist, und uns, wie wir sein werden.

Quelle: elk-wue.de